Matthias Heeder in DOK Leipzig Festivalkatalog 2011

Über Immer Fernweh:

Schon die Eingangssequenz dieses wunderbaren Films über die Magie der Kunst zeigt die groβe Liebe des Regisseurs zum Bild. Zur Komposition. Zur Form. Das verbindet ihn mit seiner Protagonistin, der Künstlerin Johanna Kaiser aus der Oberlausitz, die 1991 starb und der dieser Film gewidmet ist. Oder besser gesagt: durch den sie zu uns mit der Stimme der Schauspielerin Ursula Werner spricht, die aus ihren Tagebüchern und Briefen vorliest. Ihr hören wir zu, während Nachbarn, Freunde und Angehörige über Johanna Kaiser erzählen, ohne dass es einen einzigen O-Ton gäbe. Ihre Stimmen hören wir, indem wir lesen. Buchstaben ziehen durch das Bild und formen sich zu Wörtern. Wörter werden zu Sätzen. Texte durchwandern die sorgsam kadrierten Einstellungen, schmiegen sich an einem Baumstamm oder leuchten auf der Fassade eines Hauses auf. Durch diese beiden Erzählebenen werden Biografisches und Erinnerungen, Intimes und Gerüchte, Alltägliches und Historisches so formbewusst und gleichzeitig spielerisch leicht ineinander verschränkt, dass der Film selbst zu einem Kunstwerk und zu einem Kommentar über modernes dokumentarisches Erzählen wird.

DOK Leipzig

Immer Fernweh is selected for DOK Leipzig (17-23
October 2011).